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Ärger über Schilder in Kyrillisch

Der Krieg ist zwar glücklicherweise beendet, doch seit vergangener Woche ist die Stimmung zwischen Kroatien und Serbien wieder etwas mehr abgekühlt. Grund dafür ist eine Entscheidung des Vukovarer Stadtrates, Hinweisschilder auf Serbisch und Kroatisch nur noch auf Antrag und auch nur noch gegen Gebühr aufzustellen.

Das serbische Außenministerium hat gegen diese Entscheidung eine scharfe Protestnote bei der kroatischen Botschaft in Belgrad eingereicht und fordert die kroatische Regierung auf, diese Entscheidung des Vukovarer Stadtparlaments auszusetzen.

Der Streit um die zweisprachigen Schilder ist dabei nicht neu. Die Regierung ins Zagreb hatte vor zwei Jahren, kurz nach dem EU-Eintritt, alle Hinweise auf öffentliche Einrichtungen in beiden Schreibweisen aufhängen lassen. Teilweise unter großen Protesten. So waren im vergangenen Herbst teilweise bis zu 20.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Schilder in der Schriftsprache des ehemaligen Kriegsgegners zu protestieren. Dabei wurden Schilder abgenommen oder zerstört.

Das die Schilder in beiden Schriftsprachen aufgehängt werden, ist dabei eine Konsequenz aus dem Minderheitenschutz, den Kroatien im Rahmen des EU-Beitritts einführte. Danach genießen alle Minderheiten – die serbische wie auch die deutsche oder ungarische Minderheit – eine größtmögliche Freiheit und Anerkennung.

Dies wird gerade in der Gegend um Vukovar nur schwer akzeptiert. Denn hier hatte zu Beginn des Kroatienkrieges eines der schwersten Kriegsverbrechen in Kroatien stattgefunden.: Mehrere hundert Männer wurden nach der Eroberung Vukovars durch die Jugoslawische Volksarmee aus dem Krankenhaus geholt und ermordet.

Der „Sturm“ beendete den Krieg in Kroatien

Wer sich in den vergangenen Tagen über die Flaggen und vielen Paraden gewundert hat – vor 20 Jahren hat die kroatische Armee die Gebiete in der Krajina rund um Knin von der Besetzung durch serbische Freischärler befreit.
Es waren die letzten Kriegshandlungen in Kroatien, besser begannt unter dem Namen Operation Oluja – zu deutsch Operation Sturm. Die Kampfhandlungen erstreckten sich entlang einer Frontlänge von 630 km und auf einer Gesamtfläche von 10.500 Quadratkilometern, die 18,4 Prozent der Gesamtfläche Kroatiens betraf. Gleichzeitig konnte damit jedoch die Belagerung der bosnischen Stadt Bihac beendet werden.

Was nicht verschwiegen werden darf: Bei der Operation Sturm in der Krajina und im Anschluss daran kam es zu Kriegsverbrechen an Serben und Flucht mehrerer hunderttausend serbischer Zivilisten.
Im Anschluss kam es deshalb auch zu mehreren Verhandlungen vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal. Letztendlich wurden jedoch die beiden verantwortlichen Offiziere Ante Gotovina und Mladen Markač in der Revision freigesprochen.

Das Gebiet rund um Vukovar blieb als letztes vorerst weiter unter serbischer Besetzung. Im November 1995 kam es unter provisorische UN-Verwaltung, um die friedliche Wiedereingliederung nach Kroatien vorzubereiten. Erst 1998 wurde das Gebiet in Kroatien reintegriert.

Der 5. August wird heute noch in Kroatien als „Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit“ als Nationalfeiertag gefeiert.

Erinnern wir uns an Vukovar!

Vukovar – der Name der Stadt in Ostslawonien wird heute noch in Kroatien andächtig ausgesprochen. Am 18. November 1991 ergab sich der letzte Verteidiger der kroatischen Stadt den serbischen Truppen. Diese hatten seit September versucht, die kleine Stadt an der Donau einzunehmen. Es war für beide Seite eine blutige Schlacht, die Monate lang tobte und hunderten von Menschen das Leben kostete.

Doch warum Vukovar heute noch bekannt ist, ist das, was nach den Kampfhandlungen passierte: 300 Verletzte und Kranke aus dem Krankenhaus von Vukovar wurden in die ehemalige Schweinefarm Ovčara gebracht. Am folgenden Tag wurden 100 von ihnen in 10er und 20er Gruppen geteilt und in nahegelegene Orte gebracht, 200 wurden von serbischen Freischärlern und Soldaten der JNA ermordet.

Erstmals nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde damit auf europäischem Boden wieder ein Massaker an Mesnche, Verwundeten, Kranken und Alten verübt. Fast jeder Einwohner von Vukovar hat Verwandte unter den Toten. Und viele haben es bis heute nicht verarbeitet.

Auch die Stadt hat es bis heute nicht verarbeitet. bei meinem jüngsten Besuch in Vukovar im vergangenen Jahr waren viele der barocken Gebäude der k.u.k.-Zeit noch immer zerstört oder schwer beschädigt. Auf dem Friedhof der kleinen Stadt ist ein Meer von Kreuzen, wie man es sonst nur von Kriegsgräberfriedhöfen aus dem Zweiten Weltkrieg kennt. Hier liegen die Toten Soldaten neben den Opfern der Bevölkerung. Jedes Jahr wird in der Nacht zum 18. November im gesamten Land der Toten von Vukovar gedacht.

Am Rande der Stadt steht der alte Wasserturm, der während der Kämpfe völlig zerschossen wurde. Er steht heute noch da, wie von 23 Jahren, seine Einschüsse, Löcher und bröckelnde Betonteile zeugen von den ersten Monaten des Krieges. Denn Vukovar war ja erst der Anfang des gesamten Bürgerkrieges auf dem Balkan, dessen Folgen noch heute in allen Bereichen des ehemaligen Jugoslawiens zu spüren sind.

Das Leben in Vukovar geht langsamn vor sich, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Gerade die so wichtigen Firmen in dieser Gegend sind meist immer noch geschlossen, ihre Mitarbeiter ausgestellt. Neue Hoffnung gibt da vor allem der Tourismus. Denn Vukovar ist für viele Flußkreuzfahrtschiffe zum wichtigen Anlaufpunkt geworden. Kamen vor 200 Jahren die Einwanderer mit den Ulmer Schachteln, den kleinen Holzschiffen aus Schwaben hier an, kommen heute vor allem auch Deutsche mit den Kreuzfahrtschiffen in Vukovar an, um die Heimat ihrer Vorfahren oder Verwandten in Ostslawonien zu besuchen – die Heimat der „Donauschwaben“. Sie bringen Geld und vor allem Arbeitsplätze in die Stadt an der Grenze zu Serbien. Und viele Kroaten erinnern sich heute ihrer deutschen Wurzeln, die sie während des Kommunismus nicht zeigen durften. Doch das ist eine weitere Geschichte.

 

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