Erinnern wir uns an Vukovar!

Vukovar – der Name der Stadt in Ostslawonien wird heute noch in Kroatien andächtig ausgesprochen. Am 18. November 1991 ergab sich der letzte Verteidiger der kroatischen Stadt den serbischen Truppen. Diese hatten seit September versucht, die kleine Stadt an der Donau einzunehmen. Es war für beide Seite eine blutige Schlacht, die Monate lang tobte und hunderten von Menschen das Leben kostete.

Doch warum Vukovar heute noch bekannt ist, ist das, was nach den Kampfhandlungen passierte: 300 Verletzte und Kranke aus dem Krankenhaus von Vukovar wurden in die ehemalige Schweinefarm Ovčara gebracht. Am folgenden Tag wurden 100 von ihnen in 10er und 20er Gruppen geteilt und in nahegelegene Orte gebracht, 200 wurden von serbischen Freischärlern und Soldaten der JNA ermordet.

Erstmals nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde damit auf europäischem Boden wieder ein Massaker an Mesnche, Verwundeten, Kranken und Alten verübt. Fast jeder Einwohner von Vukovar hat Verwandte unter den Toten. Und viele haben es bis heute nicht verarbeitet.

Auch die Stadt hat es bis heute nicht verarbeitet. bei meinem jüngsten Besuch in Vukovar im vergangenen Jahr waren viele der barocken Gebäude der k.u.k.-Zeit noch immer zerstört oder schwer beschädigt. Auf dem Friedhof der kleinen Stadt ist ein Meer von Kreuzen, wie man es sonst nur von Kriegsgräberfriedhöfen aus dem Zweiten Weltkrieg kennt. Hier liegen die Toten Soldaten neben den Opfern der Bevölkerung. Jedes Jahr wird in der Nacht zum 18. November im gesamten Land der Toten von Vukovar gedacht.

Am Rande der Stadt steht der alte Wasserturm, der während der Kämpfe völlig zerschossen wurde. Er steht heute noch da, wie von 23 Jahren, seine Einschüsse, Löcher und bröckelnde Betonteile zeugen von den ersten Monaten des Krieges. Denn Vukovar war ja erst der Anfang des gesamten Bürgerkrieges auf dem Balkan, dessen Folgen noch heute in allen Bereichen des ehemaligen Jugoslawiens zu spüren sind.

Das Leben in Vukovar geht langsamn vor sich, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Gerade die so wichtigen Firmen in dieser Gegend sind meist immer noch geschlossen, ihre Mitarbeiter ausgestellt. Neue Hoffnung gibt da vor allem der Tourismus. Denn Vukovar ist für viele Flußkreuzfahrtschiffe zum wichtigen Anlaufpunkt geworden. Kamen vor 200 Jahren die Einwanderer mit den Ulmer Schachteln, den kleinen Holzschiffen aus Schwaben hier an, kommen heute vor allem auch Deutsche mit den Kreuzfahrtschiffen in Vukovar an, um die Heimat ihrer Vorfahren oder Verwandten in Ostslawonien zu besuchen – die Heimat der „Donauschwaben“. Sie bringen Geld und vor allem Arbeitsplätze in die Stadt an der Grenze zu Serbien. Und viele Kroaten erinnern sich heute ihrer deutschen Wurzeln, die sie während des Kommunismus nicht zeigen durften. Doch das ist eine weitere Geschichte.

 

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