Archiv der Kategorie: Politik

Der Kroatische „Obama“: Premierminister Orešković

Seit vergangenem Freitag hat Kroatien eine neue Regierung. Was sie vorhaben wird – bislang weiß es keiner. Denn keiner kann diese mitterechts Koalition, an deren Spitze der parteilose Tihomir Orešković steht,  richtig einschätzen. Doch viele Hoffnung liegen auf dem Exilkroaten, der fast sein ganzes Leben in Kanada verbracht hat und den man als Hoffnungsträger gerne mit Barak Obama vergleicht.

Der 50-jährige Orešković ist in Zagreb geboren, wuchs aber in Kanada auf, wo er zwischen 1985 und 1998 Chemie (B.A.) an der Universität McMaster in Hamilton studierte und 1991 seinen Abschluss machte. Zudem besitzt er einen MBA in Wirtschaftsinformatik. Der Kroatische „Obama“: Premierminister Orešković weiterlesen

Ärger über Schilder in Kyrillisch

Der Krieg ist zwar glücklicherweise beendet, doch seit vergangener Woche ist die Stimmung zwischen Kroatien und Serbien wieder etwas mehr abgekühlt. Grund dafür ist eine Entscheidung des Vukovarer Stadtrates, Hinweisschilder auf Serbisch und Kroatisch nur noch auf Antrag und auch nur noch gegen Gebühr aufzustellen.

Das serbische Außenministerium hat gegen diese Entscheidung eine scharfe Protestnote bei der kroatischen Botschaft in Belgrad eingereicht und fordert die kroatische Regierung auf, diese Entscheidung des Vukovarer Stadtparlaments auszusetzen.

Der Streit um die zweisprachigen Schilder ist dabei nicht neu. Die Regierung ins Zagreb hatte vor zwei Jahren, kurz nach dem EU-Eintritt, alle Hinweise auf öffentliche Einrichtungen in beiden Schreibweisen aufhängen lassen. Teilweise unter großen Protesten. So waren im vergangenen Herbst teilweise bis zu 20.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Schilder in der Schriftsprache des ehemaligen Kriegsgegners zu protestieren. Dabei wurden Schilder abgenommen oder zerstört.

Das die Schilder in beiden Schriftsprachen aufgehängt werden, ist dabei eine Konsequenz aus dem Minderheitenschutz, den Kroatien im Rahmen des EU-Beitritts einführte. Danach genießen alle Minderheiten – die serbische wie auch die deutsche oder ungarische Minderheit – eine größtmögliche Freiheit und Anerkennung.

Dies wird gerade in der Gegend um Vukovar nur schwer akzeptiert. Denn hier hatte zu Beginn des Kroatienkrieges eines der schwersten Kriegsverbrechen in Kroatien stattgefunden.: Mehrere hundert Männer wurden nach der Eroberung Vukovars durch die Jugoslawische Volksarmee aus dem Krankenhaus geholt und ermordet.

Der „Sturm“ beendete den Krieg in Kroatien

Wer sich in den vergangenen Tagen über die Flaggen und vielen Paraden gewundert hat – vor 20 Jahren hat die kroatische Armee die Gebiete in der Krajina rund um Knin von der Besetzung durch serbische Freischärler befreit.
Es waren die letzten Kriegshandlungen in Kroatien, besser begannt unter dem Namen Operation Oluja – zu deutsch Operation Sturm. Die Kampfhandlungen erstreckten sich entlang einer Frontlänge von 630 km und auf einer Gesamtfläche von 10.500 Quadratkilometern, die 18,4 Prozent der Gesamtfläche Kroatiens betraf. Gleichzeitig konnte damit jedoch die Belagerung der bosnischen Stadt Bihac beendet werden.

Was nicht verschwiegen werden darf: Bei der Operation Sturm in der Krajina und im Anschluss daran kam es zu Kriegsverbrechen an Serben und Flucht mehrerer hunderttausend serbischer Zivilisten.
Im Anschluss kam es deshalb auch zu mehreren Verhandlungen vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal. Letztendlich wurden jedoch die beiden verantwortlichen Offiziere Ante Gotovina und Mladen Markač in der Revision freigesprochen.

Das Gebiet rund um Vukovar blieb als letztes vorerst weiter unter serbischer Besetzung. Im November 1995 kam es unter provisorische UN-Verwaltung, um die friedliche Wiedereingliederung nach Kroatien vorzubereiten. Erst 1998 wurde das Gebiet in Kroatien reintegriert.

Der 5. August wird heute noch in Kroatien als „Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit“ als Nationalfeiertag gefeiert.

Umgang mit der Nazi-Zeit: Kroatiens unbedarfte Fußballer

Es ist gerade erst Gras über die Affäre Simunic gewachsen, da wird die kroatische Fußballlandschaft wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt. Beim Spiel gegen Kroatien in Split hatten vermutlich kroatische Fans den Rasen mit Chemikalien so präpariert, dass auf dem Rasen ein vier Meter großes Hakenkreuz abzeichnete.
Das Spiel wurde zwar angepfiffen, doch in der Pause versuchten Mitarbeiter des Stadions die Zeichnung zu entfernen – vergeblich.

Unverzüglich hat sich der kroatische Fußballverband von dem Vorfall distanziert  und bei allen Fans – vor allem auch aus dem Gastland Italien – entschuldigt. Trotzdem geht man davon aus, dass die UEFA gegen den kroatischen Fußballverband Konsequenzen zieht. Ein Ermittlungsverfahren wurde laut Spiegel zumindest bereits eingeleitet.

Dieser Vorfall ist leider kein Einzelfall. Bereits beim Spiel gegen Norwegen Ende März waren kroatische Fans rassistisch ausfällig geworden. Und im vergangenen Jahr hatte die FIFA ein Spielverbot gegen den Fußballer Josip Simunic ausgesprochen: Nach dem gewonnenen Spiel Kroatiens gegen Island bedankte er sich im vollbesetzen Stadion bei den Fans mit einem Ausspruch, der bereits während der faschistischen Ustascha-Zeit als Gruß ähnlich dem Hitlergruß verwendet worden war.

Hallo, ich bin der Zoran – Milanovic gratuliert doch noch neuer Präsidentin

Es ist passiert, wahrhaftig passiert: Premierminister Zoran Milanovic hat seiner neuen Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic zum Wahlsieg gratuliert. Aber er hat lange dafür gebraucht – bereits am Sonntag waren die Kroaten zur Urne gegangen. Gratuliert hat Milanovic seiner dann erst am gestrigen Donnerstag – nachdem bereits die Staatsoberhäupter der Slovakei, Sloveniens. Mazedoniens und viele europäischer Länder gratuliert hatten.

Er sei sich sicher, dass er auch mit der neuen Präsidentin gut zusammenarbeiten werde, so Milanovic nach den vier Tagen des Schweigens. Gleichzeitig lud er sie ein, während der Parlamentssitzungen jeden Donnerstag mit ihm das Gespräch zu suchen.

Herzlich klingt das Verhältnis zwischen den beiden nicht, denn die neue Präsidentin hatte schon öffentlich bedauert, dass der Premierminister überhaupt nicht auf sie zukommt. Auch wenn Milanovic versichert, dass sie an einem Strang ziehen werden – ein zumindest kompliziertes Verhältnis dürften die beiden haben. Und das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Parteibüchern, die beide besitzen: Während Josipovic das gleiche Parteibuch der sozialdemokratische Socijaldemokratska Partija Hrvatske hat wie Milanovíc, so ist Grabar-Kitarovic Mitglied der konservativen christdemokratische Hrvatska demokratska zajednica (HDZ).

Eine Rolle dürfte auch spielen, dass das von Machos geprägte Kroatien mit Grabar-Kitarovic eine Frau als Präsidentin hat. Das dürfte manchem männlichen Politiker nicht behagen.

Die Kroaten hatten am vergangenen Sonntag in der Stichwahl Kolinda Grabar-Kitarovic den Vorzug vor ihrem Amtsvorgänger Josipovic gegeben.